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Hier erfahren Sie alles über Fernsehen in High Definition Qualität. Weitere interessante Details finden Sie auf der Seite Fragen - Antworten.

Wie empfängt man HDTV Fernsehprogramme?

HDTV wird in der Schweiz über 3 unterschiedliche Wege verbreitet: Satelliten, Telefonleitung und Kabelnetze. Das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T ("Antennenfernsehen") kommt dafür nicht in Frage, dieses bleibt bei Standard-Qualität. Über die Eigenheiten der verschiedenen Vertriebswege informieren wir Sie auf eigenen Seiten.

In welchem technischen Format wird gesendet?

In Europa gibt es zwei Sendeformate. Bisher haben die meisten Stationen im Format 1080i25 gesendet. Neuerdings gewinnt aber das Format 720p50 an Boden, denn dieses hat in allen professionellen Vergleichstest den besseren optischen Eindruck gegeben. Das Schweizer Fernsehen, ORF, ARD und ZDF haben sich für 720p50 entschieden. Diese Zweigleisigkeit ist für den Konsumenten allerdings ohne besondere Bedeutung. Erstens, weil der optische Unterschied gering ist und zweitens, weil sämtliche Settopboxen, Bildschirme und Projektoren mühelos mit beiden Formaten umgehen können. Das Umschalten geschieht vollautomatisch und unbemerkt. Details zu den beiden Sendeformaten finden Sie hier. Wer es noch genauer erfahren möchte, findet hier eine Untersuchung des Dachverbandes aller europäischen Rundfunk- und Fernsehanstalten EBU (European Broadcasting Union).

Welches ist die HDTV-Politik der SRG?

Schon seit 3. Dezember 2007 sendet das Schweizer Fernsehen in HD-Qualit.t Zunächst mit seinem HD-Versuchskanal HD suisse. Dort lief alles, was zu dieser Zeit an Programmmaterial in HD-Qualität zu bekommen war - also hauptsächlich Sportübertragungen, Natur- und Reiseprogramme, Musik und Spielfilme, die in 3 Landessprachen und der jeweiligen Originalsprache incl. Surroundsound gesendet wurden. Eigenproduktionen und Sendung erfolgten schon damals im Format 720p50, das sich in verschiedenen Versuchsreihen als überlegen hinsichtlich seiner Bildqualität erwiesen hat. HD suisse sendete ausschliesslich Original HD-Material, also keine hochkonvertierten SD-Programme. HD suisse hat seinen Sendebetrieb Ende Januar 2012 eingestellt, denn seit 29. Februar 2012 werden alle 6 Hauptprogramme der SRG-SSR vollständig in HD ausgestrahlt. Parallel dazu bleiben sie bis 2015 auch noch in SD-Qualität empfangbar. Voraussichtlich Anfang 2016 werden die SD-Sender dann abgeschaltet, dann gibt es in der Schweiz nur noch HDTV. Die Verbreitung der Programme erfolgt per Satellit, eine Weiterverbreitung via Kabel ist möglich. DVB-T bleibt aber weiterhin auf SD beschränkt. 

Schweizer HDTV-Programme ab 29. 2. 2016


Satellit: EUTELSAT HOT BIRD 13B
Position: 13° E
Transponder: 123
Modulation: DVB-S2 (8PSK)
Frequenz: 10.971 GHz
Symbolrate: 29.700 Msym/s
FEC: 2/3
Polarisation: horizontal
Pilot mode: activ (yes)

Program TV

Service ID

Video PID

Audio 1 PID Language

Audio 2 PID Language

Audio 3 PID Language

Data PID

SRF 1 HD

17201

502

503 DEU

504 ENG

505 DEU
2

507

SRF zwei HD

17202

512

513 DEU

514 ENG

515 DEU
2

517

RTS Un HD

17203

532

533 FRA

534 ENG

535 FRA
2

537

RTS Deux HD

17204

542

543 FRA

544 ENG

545 FRA
2

547

Satellit: EUTELSAT HOT BIRD 13C
Position: 13° E
Transponder: 17
Modulation: DVB-S2 (8PSK)
Frequenz: 11.526 GHz
Symbolrate: 29.700 Msym/s
FEC: 2/3
Polarisation: horizontal
Pilot mode: activ (yes)

Program TV

Service ID

Video PID

Audio 1 PID Language

Audio 2 PID Language

Audio 3 PID Language

Data PID

SRF info HD

14053

522

523 DEU

---

525 DEU
1

527

RSI LA 1 HD

14051

552

553 ITA

554 ENG

555 ITA
2

557

RSI LA 2 HD

14052

562

563 ITA

564 ENG

565 ITA
2

567

Warum werden manche Fernsehprogramme nicht im korrekten Seitenverhältnis gezeigt?

Mit dem Aufkommen der ersten 16:9-Bildschirme entstand das Problem, dass diese vom normalen TV-Programm nicht komplett gefüllt wurden. Daher hat man eine ganze Reihe von Schaltungen entwickelt, wie die Bilder angepasst werden könnten. Am schlimmsten, aber leider die Standard-Einstellung bei vielen Geräten, ist der so genannte Smart-Modus, bei dem eine Mischung aus Verzerrung und Beschnitt eingesetzt wird, teilweise sogar mit nichtlinearer Verzerrung (an den Rändern stärker als aussen). Der "Wss-Impuls" soll Fernsehern mitteilen, ob ein Bild 4:3 oder 16:9 ist, er fehlt jedoch gelegentlich oder geht auf dem Signalweg verloren. Mit HDTV-Signalen sollte das eigentlich ein Ende haben, trotzdem kommt es vor, dass auch hier falsche Bildformate zu sehen sind. In der Regel erkennen alle Bildschirme 720p und 1080i immer als Breitbild und stellen sie formatfüllend dar. Da allerdings Settop-Boxen immer auf ein Ausgabeformat fixiert sind, kommen in 4:3 mit Balken ausgestrahlte Spielfilme zu zusätzlichen Balken an der Seite. Um diese wieder wegzoomen zu können, haben die Hersteller der Boxen die Benutzung der „Format“-Taste auch bei HD-Signalen gestattet. Dann kann es wieder zu falscher Einstellung kommen. Eine zweite Möglichkeit, die leider im Handel immer noch zu sehen ist, besteht im Anschluss von HD-Empfängern per Scart an die Vorführ-Fernseher – teilweise, weil die Hausverteilung nicht HD-fähig ist. Auch dann kann es zu falschen Formaten kommen. Besonders schlimm sieht es aus, wenn ein HD-Bild auf PAL herunterkonvertiert, vom Schirm als 4:3-Bild interpretiert und dann per „Smart“-Modus auf 16:9 verzerrt wird. Das Durcheinander wird sich wohl erst lösen, wenn es nur noch HDTV geben wird.

Bringen HDTV-Signale auch bei Wiedergabe auf Standard-Qualitäts-Bildschirmen und -Projektoren eine Qualitätsverbesserung?

Durchaus, vor allem wegen der wesentlich höheren Farbauflösung. Das Bild sieht dann sehr sauber und exakt aus, etwa so, wie wenn man einen PC direkt daran anschliesst (also über VGA oder DVI) - dieses Bild ist bekanntlich auch immer schärfer als ein Videobild.

Kann man HDTV-Fernsehprogramme auch auf einem normalen Fernsehgerät sehen?

Ja, wenn man eine HDTV-Empfangsanlage hat. HDTV-Settop-Boxen geben das Videosignal nämlich auch in PAL Standardqualität aus (SD="Standard Definition"). Die Bildschärfe ist dann zwar mit 720 x 576 Pixel Auflösung nicht besser als bei anderen SD-Sendern, aber speziell wegen der grösseren Farbauflösung von HD-Sendungen ist der Qualitätseindruck normalerweise deutlich besser.

Kann man HDTV auch auf einem alten Röhren-Fernsehgerät sehen?

Höchstwahrscheinlich nicht. In Europa verkaufte Fernseher haben in der Regel nur Basisband-Eingänge, also für Videosignale mit rund 15 kHz Ablenkfrequenz. Zwar können die Bildröhren von 100-Hertz-Geräten die HDTV-Frequenz von 32 kHz verarbeiten, nicht aber die vorgeschaltete Elektronik. Daher sind nur Scart-, S-Video und Video-Eingänge vorhanden. Über diese lässt sich HDTV nicht anschließen. Einige wenige Fernseher haben einen VGA-Eingang, der 32-kHz-Signale akzeptiert; HDTV wird aber als YUV-Signal übertragen, so dass ein entsprechender Wandler notwendig wird (die meisten YUV-RGB-Wandler können aber nur Standard-TV, also 15 kHz). Einige wenige neue Fernseher haben YUV-Eingänge, die Progressive-Scan-Bilder aufnehmen. In den meisten Fällen sollte hier HDTV zugespielt werden können. Wird HDTV dagegen auf 15-kHz-Ebene (Scart, Hosiden, Cinch) herunter skaliert, sind die Qualitätsvorteile weitgehend verspielt.

Kann man HDTV auf einem Computer sehen?

Das ist zumindest nicht unproblematisch. Erstens braucht man dafür eine DVB-S2 Tunerkarte, zweitens Conditional Access Module und Smart Cards zum Empfang verschlüsselt ausgestrahlter Programme, und drittens sind für die Verarbeitung von HDCP-geschützten Programmen entsprechende Grafikkarten mit HDMI-Ausgang sowie HDCP-taugliche Monitore nötig.

Welches waren die technischen Parameter von HD suisse?

Wer es ganz genau wissen will, findet die Details hier:

HD Suisse Logo

SendeparameterEigenschaftenBemerkungen
HD suisse 
Service ID / PID’s
- Service ID : 990 (dez)
- Video PID: 180 (dez)
- Audio 1 PID : 131 (dez)
- Audio 2 PID : 132 (dez)
- Audio 3 PID : 133 (dez)
- Audio 4 PID : 134 (dez)
Verbreitung, Satellit- Eutelsat Hotbird 8, 13° Ost
- Transponder 85
- Transponder-Nummer: 8500
- Network ID: 318
- Polarisation: horizontal
- Frequenz 12.398 GHz
- Symbolrate 27500
- FEC: ¾
Aktuell von der SRG genutzter Transponder
Sat-Kanalkodierung,
Übertragungsnorm
ETSI DVB-S [ETSI ETS 300 421]
(nicht DVB-S2)
Ein Wechsel auf die DVB-S2 Übertragungsnorm [ETSI EN 302 307] ist zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen; auf entsprechende DVB-S2 Kompatibilität bei den IRD’s ist zu achten
Video-QuellencodierungMPEG4 AVC Part 10, H.264, FRExt High Profiles, Level 4.0 [ETSI TS 101 154 V1.7.1] einschl. [ISO/IEC 14496-10 AVC] + Amendment1: AVC FRExt Profiles 
Abkürzung: MPEG4 H.264 HP@L4
Kein MPEG2 VideoConsumer-Equipment mit EICTA “HD-Ready”-Label muss High Profiles wie sie in „FRExt“ definiert sind unterstützen, mindestens Level 4.0
Video-Format1280 x 720 p 50720 Zeilen*1280 Samples, 50 Vollbilder pro Sekunde (progressive scan). Dieses Format muss von Consumer-Equipment mit EICTA „HD-Ready“-Label unterstützt werden
Bild-Seitenverhältnis
(Aspect Ratio)
16:9Permanent
Video-Bitrateca. 13 Mbit/sec.Die Gesamtbitrate von HD suisse beträgt 14'792 kBit/s (netto) bzw. 15'188 kBit/s (brutto). Die Kapazitäten für die PMT, CA (EMM + ECM), SI-Daten etc. sind hier nicht berücksichtigt.
Audio-QuellencodierungAlle Audiokanäle in Dolby Digital (DD, AC-3):
- DD2.0 für Stereo oder alternativ
- DD5.1 / DD5.0 Raumklang [ETSI TS 101 154 V1.7.1] einschl. [ETSI TS 102 366 V1.1.1] (AC-3)
(Kein MPEG Audio)Equipment mit „HD-Ready“ Label muss Dolby Digital (AC-3) unterstützen. Bei Multi-Channel Audio kann die STB einen Stereo Downmix generieren. Das AC-3 Signal wird von der STB an die digitalen Schnittstellen weitergeleitet (zum HomeCinema A/VReceiver)
Sprach-Belegung
der Audiokanäle
Permanent vier Dolby Digital Audiokanäle: 
1.) Sprache D (oder Original) „deu“
2.) Sprache F (oder Original) „fra“
3.) Sprache I (oder Original) „ita“
4.) Sprache R (oder Original) „eng“
Alle vier DD Audiokanäle sind permanent vorhanden. Nicht vorhandene Sprachversionen werden mit der „Originalsprache“ belegt
Audio-BitrateDolby Digital (AC-3)448 kBit/s (netto) bzw. 472 kBit/s (brutto) pro AudiopaarGilt für DD2.0 und DD5.0/DD5.1
Technische
Signalisierungen der
HD-Eigenschaften
[ETSI EN 300 468 1.7.1],[ETSI TS 101 154 1.7.1],[ISO/IEC 14496-10:2005]und Dolby Metadaten für AudioDie Ausgaben V1.7.1 der relevanten ETSI Standards enthalten die für HDTV erweiterten Signalisierungen bzw. Descriptoren zur Beschreibung der Video- und Audioeigenschaften
DVB SI
(Service-Information)
- DVB SI EIT Present/Following
- DVB SI EIT Schedule
- DVB SI EIT PDC Descriptor
[ETSI EN 300 468 V1.7.1][ETSI EN 300 231 V1.3.1]
Bis 7 Tage Programmvorschau via DVB SI EIT Schedule. Geeignete STB’s können den PDC Descriptor (evtl. kombiniert mit Present/Following) für die Aufnahme-Steuerung verwenden. Der PDC Descriptor entspricht dem analogen VPS auf digitaler Ebene.
Zusatz-Dienste- Teletext : Nein
- Teletext Untertitel : Nein
- DVB Subtitle : Nein
- MHP : Nein
Verschlüsselung
(Conditional Access, CA)
Viaccess, dynamisch On/Off
entsprechend der Rechte-Situation der gesendeten Inhalte auf HD suisse (vergleichbar SF info)
Viaccess SatAccess Smartcard Version V2.6 (neue Smartcard)

 


Fast alle HDTV-Stationen senden auch "aufgeblasenes" Material, das in Standard-Definition aufgenommen wurde. Bringt das überhaupt einen Qualitätsgewinn gegenüber einer Sendung in PAL?

Ja, und zwar deutlich. Denn das SD-Material wird in unkomprimierter Studioqualität mit den besten professionellen Methoden von PAL auf HDTV hochkonvertiert und danach für die Sendung mit einer Datenrate von durchschnittlich 13 - 15 Mbit/sec. in MPEG-4 codiert. Damit erreicht man eine viel bessere Bildqualität als wenn man mit etwa 5 Mbit/sec. in MPEG-2 codierte PAL-Sendungen erst im HD-ready Fernseher mit mehr oder weniger grossen Fehlern hochrechnet.

Wie kann man HDTV-Fernsehsendungen aufzeichnen?

In Standardqualität geht das mit jedem konventionellen Videorecorder, da die HDTV-Settopboxen auch über Ausgänge für SD-Qualität haben. Schwieriger ist die Aufzeichnung in originaler HD-Qualität. In Europa sind noch keine HDTV-Videorecorder erhältlich, es gibt allerdings Settopboxen mit eingebauter Harddisk. Wem deren Speicherkapazität nicht ausreicht, der wählt eine Settopbox mit USB-Anschluss. Damit kann man auf einer externen Harddisk aufnehmen oder im Bedarfsfall auch mehrere Harddisks bespielen. Diese lassen sich (wegen der nötigen Verschlüsselung) nur via Settopbox abspielen. Alternativ kommt für die HD-Aufnahme ein Computer in Frage. An diesen werden allerdings hohe Anforderungen gestellt, unter anderem an die Grösse der Festplatte. Das Hauptproblem ist allerdings das Wiedergeben. Voraussetzung dafür ist ein leistungsfähiges CPU (3 GHz aufwärts), für die Ausgabe über die Grafikkarte auf einen 16:9-Schirm auch meistens Powerstrip ( www.entechtaiwan.com ). Ausserdem muss die Grafikkarte über einen HDMI-Ausgang oder einen HDCP-geschützten DVI-Ausgang verfügen. Nur über solche Ausgänge können urheberrechtlich geschützte Programme ausgegeben werden. Und natürlich muss die Karte einen CI-Slot für Modul und Decoder-Karte haben.

Warum wird HDTV nicht in 1080p50 ausgestrahlt?

Weil dieses Format genau die doppelte Datenmenge enthält wie 1080i25. Mit einer dermassen riesigen Datenmenge kann man mit der heute erhältlichen Technik nicht önonomisch umgehen und als man die Normen für das europäische HDTV festgelegt hat, gab es auch noch gar keine Bildschirme, die 1080p50 hätten zeigen können. Auch die Ausgangsseite der Settop-Boxen wäre mit 1080p bei 50 (oder 60) Hertz überfordert gewesen, weil hier die doppelte Videobandbreite notwendig ist. Allerdings arbeitet man auf verschiedenen Ebenen daran, diesen neuen High-End Standard möglichst bald zu etablieren. Die Chancen dafür stehen sogar recht gut. Die Union der europäischen Sender EBU hat nämlich herausgefunden, dass selbst bei gleicher Datenrate in 1080p codiertes und gesendetes Material besser aussieht als 1080i. Das liegt daran, dass die Effizienz der modernen Codecs (etwa MPEG-4/H.264) bei Vollbildern (Progressive Scan, also p) deutlich höher ist als bei Halbbildern (Interlaced, also i). Zum anderen entstehen in den Bildschirmen wesentlich weniger Bildfehler. Letztlich wird man also für Fernsehsendungen in 1080p50 gar nicht die doppelte Datenrate benötigen, aber wann ein solcher, neuer Standard Wirklichkeit werden wird, ist völlig offen.

Kann man HDTV-Programme auch aus dem Internet herunterladen?

Ja - wenn man einen schnellen Internetzugang hat und viel Geduld aufbringt, denn hier handelt es sich um sehr grosse Dateien.

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Was muss man über Verschlüsselung wissen?

Immer mehr Fernsehsender übertragen ihre Programme verschlüsselt. Man kann sie also nicht mehr mit beliebigen Geräten empfangen, sondern man benötigt einen speziellen Decoder und eine so genannte Smart Card, die zum Empfang berechtigt. Für die Verschlüsselung gibt es zahlreiche Gründe:

  • Manche Sender wollen oder müssen ihr Sendegebiet einschränken, etwa wenn sie über Satellit übertragen wie SRG und ORF.
  • Programmveranstalter wie RTL wollen ihre Rechte schützen, so dass niemand unbefugt damit Geschäfte machen kann, etwa fremde Werbung dazwischenschneiden oder ins Bild einblenden.
  • Infrastrukturbetreiber wie Kabel- oder Satellitenfirmen wollen die Zuschauer an den Kosten der Übertragung beteiligen, etwa bei der HD+-Plattform in Deutschland.
  • Bei klassischem Pay-TV zahlt der Kunde für die Inhalte, so wie bei Sky oder dem Teleclub in der Schweiz.

Rund um die Verschlüsselung gibt es aber viel Verwirrung, weil zahlreiche Begriffe unklar sind oder falsch verstanden werden.

1. Verschlüsselung oder Scrambling

Alle TV-Sender, die digitale Programme verschlüsselt ausstrahlen, nutzen einen gemeinsamen Standard, der in der DVB-Norm festgelegt ist. Er nennt sich Common Scambling Algorithm (DVB-CSA) und besteht aus einer so genannten Verwürfelung, bei der die einzelnen Datenpakete in eine wirre Reihenfolge gebracht werden. Diese Reihenfolge ändert sich zudem ständig. Um daraus nun ein sauberes Bild- und Tonsignal zusammenzusetzen, benötigt der DVB-Empfänger einen Schlüssel sowie die Information, für welche Datenpakete dieser Schlüssel gültig ist. Weil dieses Verfahren in der Norm verankert ist, lassen sich mehrere Wege, wie der Schlüssel transportiert wird, gleichzeitig einsetzen. Man nennt das dann Simulcrypt und das bedeutet, dass ein Sender zum Beispiel mit Nagravision und NDS Videoguard parallel zugänglich gemacht wird. Gleichzeitig muss eine Kennung im Sendestrom enthalten sein, welche Karten für dem Empfang freigeschaltet sind. Dabei hat jede Karte eine eigene, nicht auslesbare Nummer.

2. Zugangsberechtigungs-Systeme oder Conditional Access (CA)

Für die Übertragung der Schlüssel, die zum Empfang notwendig sind, gibt es zahlreiche Verfahren, von denen die bekanntesten Nagravision, NDS Videoguard, Conax, Irdeto, Viaccess  oder Betacrypt heissen. Sie regeln, wie Kontrolldaten im Datenstrom versteckt werden, wie aus ihnen der Schlüssel errechnet werden kann, wo auf den Karten die jeweilige Berechtigung so versteckt wird, dass sie nicht auslesbar ist, und so weiter. Diese Methoden sind frei wählbar, so dass die einzelnen Anbieter ihre CA-Systeme ständig weiterentwickeln können; von den meisten Firmen gibt es daher mehrere Versionen, die sich teilweise grundlegend voneinander unterscheiden.

Man unterscheidet dabei zwischen einem eingebauten CA-Verfahren (Embedded) und einer Lösung auf Basis des Common Interface (CI, siehe unten). In der Regel hat ein Empfänger immer nur ein Zugangssystem eingebaut, so dass das Gerät oft nur für einen speziellen Dienst nutzbar ist. Gleichzeitig können Sender und Verschlüsselungsfirma den Herstellern von Set-top-Boxen bestimmte Bauarten und Funktionsweisen vorschreiben. So kann zum Beispiel verlangt werden, dass innerhalb der Box kein Signal ungeschützt abgreifbar sein darf oder dass am Ausgang ein Kopierschutz (z. B. Macrovision an Scart und HDCP an HDMI) aktiviert werden muss.

Eindeutig einem bestimmten Verfahren zugeordnet ist auch die jeweilige Smart Card. So lassen sich mit einer Nagra-Karte keine Videoguard-Empfänger betreiben. Eine Ausnahme ist das so genannte Tunneln oder Umhüllen (Tunneling, Enveloping). Das hat man zum Beispiel bei Nagra eingesetzt, um damit auch Empfänger betreiben zu können, die Betacrypt eingebaut haben. Dort wird auf der Karte ein zweites Protokoll eingesetzt, das die Kontrollcodes entsprechend übersetzt.

3. Gemeinsame Schnittstelle oder Common Interface (CI)

Im DVB-Standard verankert ist die Spezifikation einer offenen Schnittstelle, die es erlauben soll, mit jedem Empfänger jedes Verschlüsselungssystem zu nutzen, das Common Interface (CI). Dieser Schlitz nimmt ein Modul auf, in dem ein Chip die Übersetzung der jeweiligen Befehle des CA-Systems in die von jedem DVB-Receiver verstandenen Schlüssel des CSA-Verfahrens besorgt. Von Seiten der EU-Kommission wird verlangt, dass jeder Fernseher mit DVB-Empfangsteil eine solche Schnittstelle besitzt. Allerdings sind die Sender nicht verpflichtet, die Benutzung dieser Module zu erlauben. Zahlreiche Betreiber bestehen darauf, dass der Empfang ihrer Programme nur mit von ihnen lizensierter Hardwäre möglich ist, etwa BSkyB in Großbritannien. Die CI-Module (manchmal auch CA-Modul genannt) enthalten eines oder mehrere CA-Systeme. Sie benötigen dafür eine Lizenz, etwa von Nagra, Conax oder NDS. Allerdings genügt eine einzelne Lizenz nicht für alle entsprechend verschlüsselten Angebote oder Smart Cards. So lassen sich manche Nagra-Karten in CI-Modulen verwenden, andere dagegen nicht.

4. CI-plus

Am CI-Standard wird häufig kritisiert, dass er nicht allen Sicherheitsanforderungen genügt. Vor allem gilt das für die offene Übertragung der Schlüssel über die Schnittstelle. Daher hat eine Arbeitsgruppe aus Firmen und Anbietern eine Weiterentwicklung in Form von CI-plus verabschiedet. Darin ist unter anderem eine weitere, allerdings einheitliche Verschlüsselung der Kontrolldaten zwischen Modul und Empfänger geregelt (in AES oder Triple-DES), dazu Sicherheitsmassnahmen auf Empfängerseite, etwa die Verschlüsselung von Aufzeichnungen und der Bezug von Lizenzen für die Wiedergabeberechtigung, vergleichbar mit den DRM-Systemen am PC wie Windows-DRM oder Apple Fairplay.

CI-plus soll es erlauben, möglichst alle Funktionen eines CA-Systems über die gemeinsame Schnittstelle zu organisieren, von der Kontrolle der Aufzeichnungen bis hin zu Jugendschutz. Damit würden spezielle Boxen, die nur ein Verfahren oder einen Anbieter unterstützen, überflüssig. Beschränkungen über das CA-System hinaus sind mit CI-plus nicht möglich, CI-plus dient lediglich als eine Art Übersetzer.

CI-plus und CI sind miteinander kompatibel, soweit es die Grundfunktionen des Common Interface betrifft. Ein CI-plus-taugliches Gerät lässt sich lässt sich mit einem CI-Modul betreiben, dann allerdings nur auf der Ebene von dessen Funktionen; umgekehrt passt ein CI-plus-Modul in jeden CI-Schlitz, funktioniert da aber nur wie ein CI-Modul. Wenn ein CI-plus-Modul so eingesetzt wird, muss es die Entschlüsselung verweigern, falls das CA-System nur CI-plus erlaubt.

Es liegt an den Sendern, ob sie die Verwendung von CI-plus-Modulen verlangen. Vereinzelt gab es bereits Kritik, weil manche Einschränkungen von CA-Systemen nicht über CI-plus zu regeln sind, etwa beim Ansehen von aufgenommenen Sendungen das Überspringen von Werbepausen zu unterbinden (so genanntes Ad Skipping). Für diese Art der Steuerung wäre der Einsatz der DVB-Technik CPCM (Content Protection and Copy Management) nötig. Aus diesem Grunde wollen manche Sender das Aufnahmen ihrer Programme grundsätzlich unterbinden.

5. Plattformen (HD+ und andere)

Unter einer Plattform versteht man im digitalen Fernsehen den Betrieb eines Angebots, das mit einheitlicher Technik und gemeinsamer Verschlüsselung zu empfangen ist. Auch Plattformen ohne Verschlüsselung kommen vor, etwa die Freesat- und Freeview-Systeme in England, die nur interaktive Funktionen regeln. Bei nicht frei empfangbaren Angeboten kommt es vor allem auf die Smart Card an, die für alle Programme benutzbar sein muss. Solche Plattformen gibt es zum Beispiel beim ORF, wo über die Technik dieses Senders auch andere Angebote zu empfangen sind, etwa von Premiere/Sky oder Arena. In Frankreich gibt es TNTSAT, das sowohl über Astra wie über terrestrische Antennen empfangbar ist und vor allem für HD-Sender genutzt wird. In Deutschland soll HD+ eine solche Plattform darstellen, über die auch konkurrierende Anbieter wie RTL oder Sat1 zu sehen sind. Auch Premiere hat versucht, sich mit dem Angebot Premier Star in dieser Richtung zu profilieren, dieses Bouquet wurde aber eingestellt beziehungsweise in das neue Sky-Programm integriert.

Der Betreiber einer Plattform kann – in Absprache mit den vertretenen Sendern – festlegen, welche Anforderungen er stellt. Freesat zum Beispiel bringt eine spezielle Benutzerführung und Programminformation mit sich, dazu eine Steuerung der Parallelausstrahlung von normaler und HD-Qualität. Astra als Betreiber von HD+ verlangt recht hohe Sicherheitsnormen, so zum Beispiel CI-plus auf Empfängerseite oder wenigstens spezielle CI-Module, die nur in bestimmten Receivern einer Marke funktionieren. Conditional Access bei HD+ ist Nagravision in neuester Form. Es ist auch der Plattformbetreiber, der entscheidet, wo, auf welchem Weg und zu welchen Konditionen die nötigen Smart Cards verkauft werden. So werden beispielsweise die Smart Cards für die deutsche HD+ Plattform ausschliesslich in Deutschland verkauft, sodass diese Programme in den anderen europäischen Ländern über Satellit nicht zu empfangen sind.

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