3D Fernsehen
Dass es in Mitteleuropa noch keine 3D regulären Fernsehsendungen gibt, hat eine ganze Reihe von Gründen. Da ist zum einen die noch sehr geringe Zahl der Fernsehgeräte, die solche Sendungen überhaupt empfangen könnten. Zum anderen aber gibt es auch erhebliche technische Hürden. Die technischen Parameter eines Fernsehkanals sind nämlich für normale (2D) Fernsehbilder ausgelegt und sie müssen eingehalten werden, weil jede Aenderung der Sendetechnik zwangsläufig dazu führen würde, dass kein einziges Fernsehgerät die so gesendeten Programme empfangen könnte. Will man in einem solchen Fernsehkanal nun die beiden Bildströme für links und rechts zugleich transportieren, müssen die beiden Bilder ineinander verschachtelt und gemeinsam gesendet werden. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Einfache Verfahren aus der Analogzeit

Die bei weitem älteste Methode ist das Anaglyphen-Verfahren. Es ist schon seit 1853 bekannt, der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet etwa "herausgemeisselt". Hier werden die für das linke Auge bestimmten Bilder rot eingefärbt, die für das rechte Auge in der Komplementärfarbe Blau oder auch Grün. Diese beiden Bilder werden übereinandergelegt und so gemeinsam gesendet. Solche Programme können - wenn auch in unbefriedigender Qualität, wie die Abbildung zeigt - von jedem konventionellen Fernsehgerät gezeigt werden. 
Wenn man die Anaglyphenbrille aufsetzt, erlebt man den 3D-Effekt. Als Nachteil fällt ins Gewicht, dass sich auf diese Weise fast keine Farbinformation transportieren lässt, der Seheindruck ist nahezu schwarz/weiss. Auch reduziert sich die Gesamtauflösung des Bildes auf die Hälfte.
Weil es sich mit althergebrachter Sende- und Empfangstechnik bewerkstelligen lässt, kann man mit dem Anaglyphenverfahren weite Kreise von Fernsehzuschauern erreichen. Also hat man immer wieder versucht, das System zu verbessern. Als jüngste Optimierung darf das dänische Verfahren Colorcode gelten, das immerhin eine gewisse Farbwiedergabe ermöglicht. 
Hier wird der 3D Eindruck durch unterschiedliche Farbverschiebungen in den beiden Bildern erreicht, die Filter sind bernsteinfarben und blau. Das Colorcode-Verfahren wird beispielweise vom österreichischen Servus-TV verwendet.
Modernere, digitale Verfahren
Beim "Side-by-Side"-Verfahren werden die Bilder auf die Hälfte ihrer originalen Breite zusammengestaucht, das nennt man "anamorphotische Kompression". Auf diese Weise können in einem einzigen Sendekanal immer zwei Bilder zugleich übertragen werden. Auf der Wiedergabeseite werden die Bilder wieder getrennt und entzerrt. Das erledigt eine spezielle Elektronik im dafür eingerichteten 3D Fernsehgerät. Mit diesem Verfahren lassen sich 3D Programme über jeden beliebigen Fernsehsender verbreiten und mit jedem Digitalempfänger empfangen. Es muss dabei allerdings in Kauf genommen werden, dass die Wiedergabe mit halbierter Horizontalauflösung erfolgt, bei HDTV also im Format 960x1080i25 bzw. 640x720p50. Diese Einbusse äussert sich in der Praxis aber bedeutend weniger negativ als die Zahlen es vermuten lassen. Das hat seinen Grund darin, dass die beiden Filme für das linke und das rechte Auge sich nur relativ geringfügig voneinander unterscheiden. Dadurch verschmelzen sie im Gehirn des Betrachters zu einem guten HD-Eindruck.

- Originalbilder
Volle Auflösung

- Horizontal komprimiert
für Fernsehen oder DVD

- Wiedergabe
mit halber Auflösung
Zwar hat die Kompression auf den subjektiven Seheindruck überraschend wenig Einfluss, doch im Zeitalter von HDTV und grossen Bildschirmen kann eine Verschlechterung der Bildschärfe kaum als zukunftsweisendes und weitherum akzeptiertes Konzept gelten. Längerfristig wird es einen neuen 2D-/3D-kompatiblen Fernsehstandard geben. Mehr dazu weiter unten unter "Zukunftsaussichten".
In Europa kommt bisher ausschliesslich das "Side-by-Side"-Verfahren zu Anwendung, das von allen 3D-tauglichen Fernsehgeräten erkannt und decodiert wird. Damit hat "Side-by-Side" sich hier sozusagen als de-facto-Standard etabliert. Möglich sind allerdings auch andere Methoden, die beiden Bilder ineinander zu verschachteln. Sie heissen "Top & Bottom", "Line-by-Line" und "Checkerboard". Auch diese lassen sich mit jedem Digitalempfänger empfangen, allerdings kann nicht jedes Fernsehgerät all diese Verschachtelungen decodieren. Allen Verfahren gemeinsam ist die Tatsache, dass sie mangels 2D-Kompatibilität auf konventionellen Fernsehgeräten unbrauchbare Ergebnisse zeigen. Aus diesen Gründen eignen sich diese Systeme ausschliesslich für das Verteilen von 3D-Programmen an sehr eng gefasste Abonnentenkreise, die extra dafür mit geeigneten Geräten ausgestattet sind. Ein Beispiel: In Grossbritannien werden einige Sportereignisse in wenige, ausgesuchte Pubs übertragen, die extra dafür mit entsprechenden Empfangs- und Wiedergabegeräten ausgerüstet wurden.
Demonstrationsprogramme im "Side-by-Side"-Verfahren gibt es auf Astra 1E, 23,5 Grad Ost, Frequenz 11.778 V, DVB-S" sowie auf Hotbird, 13 Grad Ost, Frequenz 12.303 V, DVB-S2.
Zukunftsaussichten
Um beim 3D-Fernsehen eine mit der Blu-ray Disc vergleichbare Bildqualtät zu erreichen, müsste ein völlig neuer TV-Standard etabliert werden. Verschiedene Labors arbeiten daran, besondere Spezifikationen für hochqualitative 3D-Sender und 3D-Empfänger zu entwickeln und diese weltweit einheitlich zu standardisieren. Wann diese Bestrebungen zu einem Erfolg und zu fertigen Produkten führen werden, lässt sich nicht vorhersagen. Sonderlich optimistisch sollte man aber nicht sein, denn bei diesem Vorhaben handelt es sich um nichts weniger als das Konzipieren eines völlig neuen, weltweit güligen Fernsehsystems.


