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HbbTV

HbbTV steht als Abkürzung für „Hybrid Broadcasting Broadband TV“ und bedeutet nichts anderes als die Verknüpfung von Fernsehen und Internet.

Während Jahrzehnten was Fernsehen so etwas wie eine Einbahnstrasse vom Sender zum Empfänger. Für den Zuschauer gab es keine Möglichkeit, mit dem Sender in Kontakt zu treten oder auf das Programm Einfluss zu nehmen. Das ändert sich jetzt, denn moderne Flachbildschirme erfüllen dafür zwei wichtige Voraussetzungen: Sie bieten hohe Auflösung, also Bildschärfe, und sie lassen sich mit dem Internet verbinden. Nun können Informationen vom Sender auf zwei unterschiedlichen Wegen zum Empfänger gelangen – einerseits über den klassischen Fernsehweg via Sender, Satellit oder Kabel, andererseits und zeitgleich aber auch über das Internet. Der Zuschauer kann nun wählen, welche Information er sehen möchte, er kann aber auch beide zugleich nutzen.

Teletext der nächsten Generation

Mit HbbTV kommt Teletext nun endlich in zeitgemässer Form und Qualität auf den Bildschirm. Texte und Bilder werden hier in einer Internet-typischen Weise gezeigt, die der Aufmachung einer – jederzeit top-aktuellen - Programmzeitschrift gleichkommt. Damit ist auch die Einblendung von Untertiteln für Hörgeschädigte und in exotischen Sprachen möglich

Der Rote Knopf

Wer den “Red Button” auf seiner Fernbedienung drückt, bekommt eine Auswahl von Zusatzinformationen zur laufenden Sendung angeboten. Das können Hinweise auf weitere Filme oder auch Radiosendungen zum selben Thema sein, die sich aus den Archiven der Sender jederzeit per Knopfdruck abrufen lassen. Was alles an weiterführenden Informationen denkbar ist, zeigt das Beispiel eines Films über eine Landschaft: Da könnte es Verknüpfungen geben mit Webcams, die zeigen, wie es in der beschriebenen Gegend in diesem Moment aussieht. Dazu Fahrpläne der örtlichen Bahn- und Busunternehmen, aktuelle Veranstaltungshinweise, Sonderangebote von Hotels und Restaurants, die örtliche Wettervorhersage und so weiter.

Doch da das Internet keine Einbahnstrasse ist, kann der Zuschauer per HbbTV nun erstmals mit dem Sender in Kontakt treten. Zum Beispiel, um eine laufende Sendung zu bewerten, oder um an Wahlen, Abstimmungen, Quizsendungen, Spielen und Wettbewerben teilzunehmen.

Dieser Weg bietet sich auch zur kommerziellen Nutzung an. So kann man zum Beispiel während einer Landschaftssendung gleich Reiseliteratur kaufen und ein Hotel buchen, während einer Musiksendung CDs und Blu-ray Discs bestellen, im Rahmen einer Sportübertragung Fanartikel erwerben und sich jederzeit Spielfilme aus einer gewaltigen Auswahl auf den Bildschirm holen.

Kann man ältere Fernsehgeräte für HbbTV nachrüsten?

Ja, es gibt im Fachhandel Zusatzboxen, die die Funktionalität von HbbTV auch älteren Fernsehgeräten zur Verfügung stellen.

Ist HbbTV ein verbindlicher Standard?

Standard ja, verbindlich nein. Am 1. Juli 2010 wurden die technischen Spezifikationen von den gut 60 Mitgliedern des "HbbTV Konsortium" verabschiedet und von der internationalen Standardisierungebehörde ETSI unter der Bezeichnung TS 102 786 anerkannt. Damit sollen Kompatibilität und Betriebssicherheit gewährleistet werden. Es steht Sendern und Geräteherstellern jedoch frei HbbTV einzusetzen oder darauf zu verzichten.

Was kann HbbTV nicht?

Es ist kein Web-Browser. Man kann hier also nicht beliebig im Internet surfen, sondern nur die Angebote nutzen, die der gerade gewählte Fernsehsender anbietet.

Wie funktioniert HbbTV technisch?

Um die inhaltliche Verknüpfung von Rundfunk- und Internetinhalten zu realisieren, wird in das Rundfunksignal eine Signalisierung eingefügt (AIT-Tabelle). Diese AIT-Tabelle wird vom Empfänger ausgelesen, und enthält in der Regel eine URL auf eine spezielle HTML-Seite, die über die beim Zuschauer zusätzlich vorhandene Internetverbindung geladen wird. Diese HTML-Seiten werden gewöhnlich mit Hilfe der roten Farbtaste der Fernbedienung sichtbar geschaltet.

Nicht alle Kabelnetzbetreiber reichen die vom Sender ausgestrahlte AIT-Tabelle an ihre Kunden weiter, weil sie sich dazu nicht verpflichtet fühlen. So kann es vorkommen, dass in einem bestimmten Kabelnetz bei manchen oder gar allen Fernsehsendern keine HbbTV-Funktion gibt.