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Geschichte

Versuche, das räumliche Sehen nachzubilden, sind so alt wie die Fotografie. Genau genommen sogar noch älter, denn schon Leonardo da Vinci (1452-1519) hat sich mit dieser Frage beschäftigt.

Als Vater der stereoskopischen Fotografie gilt allgemein der Engländer Sir David Brewster, der 1849 einen zweiäugigen Fotoapparat erfunden hat, mit dem man gleichzeitig 2 nebeneinander liegende Aufnahmen machen konnte, dazu einen handlichen Betrachtungsapparat.

Die Vorstellung der neuen Stereobetrachter auf der Weltausstellung 1851 in London löste einen ersten Stereoboom aus.

Breite Popularität erreichte die Stereo-Fotografie nie, denn man konnte die Bilder nicht mit freiem Auge betrachten, sondern nur mit einem entsprechenden Hilfsgerät. Stereoskopie blieb immer eine recht enge Nische für wenige Spezialisten.  Doch präsent war diese Spezialität immer.



Rollei und Leica aus den 1920-er Jahren



TDC Stereo Colorist, hergestellt 1954 von der Firma Bodensee Kamerawerke in Ueberlingen für die Three Dimension Company in Chicago.



Enorme Verbreitung erlangte ab 1939 das amerikanische "View-Master" System mit seinen kleinen Diapositiven auf einer drehbaren Scheibe. Solche Geräte sind auch heute noch erhältlich, sie werden in Spielzeugläden unter der Marke Fisher-Price angeboten. Die hier abgebildete Kamera ist übrigens eine deutsche Konstruktion. Sie wurde 1962 vom AKA Kamerawerk in Friedrichshafen und vom King-Werk in Bad Liebenzell für Sawyers Europe in Belgien hergestellt.

Eine sehr umfangreiche Zusammenstellung historischer 3D Fotokameras findet sich hier

3D im Kino

Auch die bewegten Bilder wurden schon kurz nach ihrer Erfindung dreidimensional. Allerdings sind keine speziellen 3D Filmkameras bekannt, schon gar nicht solche für den Amateurgebrauch. Für die Herstellung von Kinofilmen montierte man zwei konventionelle Kameras nebeneinander. Auf diese Weise haben die Gebrüder Lumière bereits 1895 mit dem einminütigen Kurzfilm „L'arrivée d'un train à La Ciotat“ („Die Ankunft eines Zuges im Bahnhof La Ciotat“) den ersten 3D-Film der Geschichte produziert.

Am 27. September 1922 wurde dann in den U.S.A. der erste Spielfilm, „The Power Of Love“, als 3D-Stummfilm uraufgeführt. Der erste Tonfilm in 3D war 1936 der italienische „Nozze vagabonde“, produziert von der „Società Italiana Stereocinematografica“. Am 27. Mai 1937 wurde mit „Gartenschau in Dresden“ der erste deutsche 3D Versuchsfilm in Farbe (im Polarisationsverfahren) uraufgeführt. Seit dem Farbfilm „Zum Greifen nah“ (Première am 5. Dezember 1937) gilt für stereoskopische Filme allgemein die Kurzbezeichnung 3D . Zumindest ab 1940 wurden auch in Russland vereinzelt 3D Filme produziert. Der erste CinemaScope-Film, der in 3D aufgeführt wurde, war 1960 „Der Schatz der Balearen“ (September Storm) vom Regisseur Byron Haskin.

Mitte der 1950-er Jahre wurde viele 3D Filme produziert, denn die Kinobranche wollte damit der Konkurrenz durch das aufstrebende Fernsehen etwas entgegensetzen. Populäre 3D Filme dieser Zeit waren unter anderem 



Hier ein geschichtlicher Uberblick über die Anzahl der weltweit produzierten 3D Kinofilme.

Doch nicht nur Fotografen und Filmer haben sich für 3D begeistert. Kaum bekannt ist die Tatsache, dass der grosse Surrealist Salvador Dali (1904 - 1989) zwischen 1973 und 1979 mehrere 3D Bilder gemalt hat. Es handelt sich dabei um jeweils zwei separate Bilder, die so angeordnet sind, dass der Betrachter mit seinem linken Auge nur das eine, mit dem rechten nur das andere sehen kann. Die Unterschiede zwischen den beiden Bildern sind so raffiniert gehalten, dass diese gemeinsam einen surrealistisch-traumhaften, dreidimensionalen Eindruck ergeben.   



Was das 3D Kino im deutschen Sprachraum angeht, so gab es 1972  mit „Liebe in 3 Dimensionen“ einen beliebten Lederhosen-, Sex- und Jodelfilm mit den „Ulknudeln“ Ingrid Steeger und Elisabeth Volkmann sowie dem später als Sänger berühmt gewordenen Konstantin Wecker. Doch aus das Fernsehen bemächtigte sich der dreidimensionalen Bilder. So vollführte Ingrid Steeger 1982 in den 3. Programmen der ARD einen „Anaglyphen-Striptease“ und ab März 1991 wurden einige Folgen der Softsex-Serie „Tutti Frutti“ mit dem damals jungen Hugo Egon Balder von RTL in 3D ausgestrahlt.

Dauerhafter Erfolg war all diesen Bemühungen nicht beschieden, denn mit den damals verfügbaren Werkzeugen der Film- und Fernsehtechnik konnten keine qualitativ befriedigenden Resultate erzielt werden. Die Stereoskopie verlangt ja zwingend, dass die beiden Uebertragungskanäle für links und rechts in jeder Hinsicht identisch sind. Doch in Belichtung, Körnigkeit, Gradation oder auch hinsichtlich feiner Beschädigungen konnte beim Kinofilm niemals perfekte Gleichheit erzielt werden. Schon geringste Unterschiede zwischen den beiden Filmstreifen für das linke und das rechte Auge führten bei vielen Zuschauern zu Unwohlsein oder Kopfschmerz

 

Jahrzehntelanger Kampf mit technischen Unzulänglichkeiten

Die bei weitem älteste Methode, 3D Bilder zu speichern, zu vervielfältigen und darzustellen ist das Anaglyphen-Verfahren.  Es ist schon seit 1853 bekannt, der Name kommt aus dem Griechischen und bedeutet etwa "herausgemeisselt". 

Hier werden die für das linke Auge bestimmten Bilder rot eingefärbt, die für das rechte Auge in der Komplementärfarbe Grün (oder auch Blau oder Cyan). Diese beiden Bilder werden übereinandergelegt und so gemeinsam gedruckt (Fotos, Zeichnungen), projiziert (Kinofilm) auf Magnetbändern oder DVDs gespeichert (Video) oder gesendet (Fernsehen). 



Die Betrachter tragen Anaglyphenbrillen mit entsprechenden Farbfiltern, die dafür sorgen, dass das linke Auge nur den rot eingefärbten Teil des Bildes zu sehen bekommt, das rechte nur den grünen.  



Für dieses äusserst einfache Verfahren sind keinerlei Aenderungen an der gesamten Uebertragungskette gefordert. Man kann auf dieser Weise die seit langem bestehende Infrastruktur von Filmprojektor, Videoband, DVD, Fernsehsender und Fernsehgerät ohne irgendeine Umstellung auch für 3D Programme nutzen. Der Nachteil besteht darin, dass sich auf diese Weise fast keine Farbinformation transportieren lässt, der Seheindruck ist nahezu schwarz/weiss. Auch reduziert sich die Gesamtauflösung des Bildes auf die Hälfte. 

Varianten

Es hat immer wieder Bestrebungen gegeben, das Anaglyphenverfahren dahingehend zu verfeinern, dass sich beim Betrachter ein einigermassen naturnaher Farbeindruck einstellt. 



So hat man mit der Zeit Blau statt Grün eingesetzt, das von Stephen Gibson gegen Ende der 1970-er Jahre patentierte "Deep Vision"-System verwendet die Filterfarben Rot und Cyan (das sich aus Blau und Grün zusammensetzt). 



Als jüngste Optimierung darf das dänische Verfahren Colorcode gelten, das immerhin eine gewisse Farbwiedergabe ermöglicht. Hier wird der 3D Eindruck durch unterschiedliche Farbverschiebungen in den beiden Bildern erreicht, die Filter sind bernsteinfarben und blau. 

Erst die Einführung der Digitaltechnik im Kino wie auch im Fernsehen hat es möglich gemacht, 3D Programme mit der notwendigen Flexibilität zu produzieren, sie verlustfrei zu speichern und sie in optimaler Qualität wiederzugeben. Alle wichtigen Details dazu finden Sie auf unseren "Technik"-Seiten.

Literatur: Peter A. Hagemann: Der 3D Film 
Verlag Monika Nüchtern, 1980, 142 Seiten, herausgegeben von der Stiftung Deutsche Kinemathek, deutsch 

David Hutchinson Fantastic 3-D
Starlog Press Inc., ISBN 0-931064-53-8, 1982, 98 Seiten, englisch